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3.5.15

International Bereaved Mothers Day

Heute wird international der Muttertag verwaister Mütter "gefeiert".
Schön, dass es eine Möglichkeit gibt, den Muttertag auf die andere Art und Weise zu feiern.
Letztes Jahr fand ich es so schwierig, den Muttertag zu geniessen. Zum einen war Daniel da und zum andern war Julia nicht da. Das sind zu verschiedene Gefühle, die manchmal fast nicht miteinander zu vereinbaren sind.



So schätze ich die Möglichkeit sehr, heute viel an Julia zu denken. Meine Mutterrolle ist eine ganz andere, denn ich darf Julia nicht wachsen sehen und ihr dabei helfen. Und trotzdem bin ich ihre Mama und das von ganzem Herzen.

Vor einigen Wochen mussten wir eine Fehlgeburt erleben. Einmal mehr zog es uns den Boden unter den Füssen weg. Mein Mann und ich durchliefen erneut eine Phase der Trauer. Zum einen um das Baby, das wir gar nicht erst kennenlernen konnten und zum andern realisierten wir, dass der Weg der Trauer um Julia noch längst nicht abgeschlossen ist. Zwar geht es uns sehr gut, aber die Narben von diesem Schicksalsschlag sind sehr dünn und verletzlich.

Umso grösser ist nun für mich die Bedeutung, diesen besonderen Muttertag feiern zu können. Ich bin mir auch ganz sicher, im Himmel diese fehlenden Erlebnisse mit meinen Kindern nachholen zu dürfen und das ganz intensiv!

Nächste Woche versuche ich den Muttertag mit Daniel zu geniessen. Er schenkt uns so viel Freude und muntert uns immer wieder auf. Bei Daniel darf ich das Mutter-Sein umso mehr geniessen, denn durch Julia habe ich gelernt, aus tiefstem Herz zu schätzen, was ich habe!


4.9.12

Wenn die Gefühle machen, was sie wollen

Bis zum Tod von Julia konnte ich mich gut beherrschen, meine Gefühle kontrollieren, gefasst reagieren.

Das änderte sich so schnell wie Julias Tod kam.

Und das sind solche Gefühle, die ich nicht steuern konnte:

  • Es kommt jemand ins Spitalzimmer rein: Sofort beginnen die Tränen zu fliessen...
  • Jemand fragt mich, wie's mir geht: ebenfalls sofort Tränen in den Augen...
  • Ich muss Entscheidungen treffen: Wie bitte? Ich habe keine Lust dazu! 
  • Wir müssen für die Beerdigung manche Punkte durchgehen: Ach macht das doch ohne mich! Ich habe ja nie gesagt, dass ich mich von Julia verabschieden möchte!
  • Der Arzt erzählt uns, was mit Julia los war: Ich kann nicht mehr sprechen - stattdessen fliessen die Tränen...
  • Die Hebamme kommt rein: Tränen fliessen
  • Gott, warum hast du das zugelassen?: Wut, Sprachlosigkeit, Tränen, Dankbarkeit, dass Julia schon bei Ihm sein darf, Erleichterung, weil ich vielleicht überfordert gewesen wäre mit ihrer Behinderung...
  • An einer Taufe: Tränen
  • Fröhliche Mütter: Sprachlosigkeit, Ohnmacht
  • Kleine Neugeborene: nicht mehr Denken können
  • Schimpfende Eltern: Denen sag ich mal meine Meinung!
  • Unzufriedene Leute: Was habt ihr denn? Ihr wisst ja gar nicht, was ein grosses Problem ist!
  • etc. etc.
Anfangs konnte ich meine Gefühle überhaupt nicht steuern. War ja auch nicht nötig. Doch ich merke, dass ich nun manchmal sehr gefasst bin, manchmal aber auch wieder in Tränen ausbreche. Ich weiss, dass ich mich beherrschen können muss, wenn ich zur Arbeit zurückkehre. Das macht mir manchmal schon ein bisschen Angst, weil ich wie gesagt, mich noch nicht immer unter Kontrolle habe.

Was mir hilft?
Wenn ich Leute gut kenne, darf ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen.
Wenn ich weiss, was auf mich zukommt, dann versuche ich mich mental darauf vorzubereiten. Szenarien durchdenken, die Emotionen schon rauslassen - das ist für mich hilfreich.
Dann gibt es aber auch Situationen, die plötzlich kommen, nicht vorherbar sind und diese sind die grösste Herausforderung. Da bin ich noch am Herausfinden, wie ich damit umgehen muss...