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2.11.12

Wieder eine Woche geschafft :-)

Und die Bilanz?

Es geht doch schon viel besser :-)! Nicht, dass ich irgendwie grosse Freude bei der Arbeit verspüre. Ich bin noch viel zu sehr damit beschäftigt, möglichst alles auf die Reihe zu kriegen und vergesse dabei immer wieder, mal kurz durchzuatmen und die Stunden mit den Kindern und die Vorbereitungen zu geniessen. Ich bin aber überzeugt, dass das schon ganz bald wieder so sein wird. Die Kinder scheinen gerne zu kommen und überhäufen mich jeden Morgen mit Zeichnungen und kleinen gebastelten Geschenken. Auch die ehemaligen Kindergärtner kommen täglich vorbei. Das ist schön und tut der Seele sehr gut.

Sonst gehe ich im Moment manchen Leuten ein bisschen aus dem Weg. Das hilft mir, mich nicht immer wieder denselben Geschichten stellen zu müssen. Das braucht zur Zeit zu viel Energie. Wenn ich dann bereit bin, lasse ich mich wieder auf Gespräche ein. Aber für den Moment möchte ich den Schwerpunkt auf die Arbeit mit den Kindern legen.

Ich hatte mir den Wiedereinstieg viel einfacher vorgestellt. Da merkt man plötzlich wieder, dass der Weg der Trauer noch ein langer ist. Gerade, wenn man denkt, dass man wieder ein Stück Normalität zurückgewinnt, wird man gebremst. Das ist gut so! Auch wenn es manchmal sehr weh tut. Aber Julia nimmt nun mal einen grossen Teil ein :-).

Noch eine kleine erfreuliche Geschichte: Heute konnte ich in die Frauenarztpraxis gehen, ohne nachher niedergeschlagen raus zu kommen. Zwar hörte ich viel Babygeschrei, aber es machte mir nichts aus. Während ich heute wieder eine gute Stunde liegen musste, liess ich mir die schönen Erinnerungen an Julia durch den Kopf gehen. Der erste Ultraschall, die Freude über die bestätigte Schwangerschaft, der zweite, dritte etc. Ultraschall, die Herztönchen hören, ihre Bewegungen sehen, sehen, wie sie am Daumen lutscht etc.

Heute bin ich also mal nicht so "down" wie sonst in letzter Zeit :-)! Hoffentlich hält der Aufwärtstrend an! Ich könnte gut mal eine "Traurigkeitspause" gebrauchen...


31.10.12

Die Zeitumstellung

Ich glaube, dass ich gerade kurz im Winterschlaf war! Habe gerade gesehen, wie lange ich nicht mehr auf dem Blog geschrieben habe. Entschuldigung!!!

Diese Woche geht schon viel besser als die erste Arbeitswoche. Ich habe wesentlich weniger Termine und musste auch nicht an den Einschulungselternabend, wo ich alle ehemaligen Eltern meiner Kindergärtner gesehen hätte. Nach einem Telefonat mit einer guten Freundin habe ich mit dem Schulleiter telefoniert und er war sehr verständnisvoll. Es ist schön, dass ich noch nicht wieder in "Topform" sein muss und mir viel Respekt entgegengebracht wird. So ist der Druck nicht mehr so gross und kann ich auch weiterhin in meinem Tempo trauern.

Im Moment gehe ich Vielem aus dem Weg. Ich habe gemerkt, dass es viel zu viel Energie braucht, mit allen Leuten, die mich auf der Strasse ansprechen, über Julia zu reden. Ich muss dann immer stark sein und bin dann zu Hause umso schwächer. So gehe ich nun manchen Leuten aus dem Weg und gehe auch nicht an jede Veranstaltung (Trägerkreissitzung, Klassentreffen etc.), weil ich einfach noch nicht bereit dafür bin.

Ich finde es schwierig, meine Schwäche zuzugeben. Aber ich merke auch, dass alle grosses Verständnis dafür haben und ich deswegen nicht als "Schwächling" abgestempelt werde. So lerne ich auch, dass es wichtig ist, ehrlich über mein Befinden zu sein. Und so lernt man doch jeden Tag wieder etwas Neues dazu :-)!

Ich habe mich immer davor gefürchtet, wieder Rückschritte zu machen. Diese sind nun passiert und haben aber auch eine "wunder"bare Seite. Mein Mann und ich konnten in den letzten Tagen so gut über das Geschehene sprechen und wieder ein Stück mehr verarbeiten. Und wenn ich immer wieder denke, dass ich ihn nicht noch mehr lieben könne, wird die Liebe zu ihm noch grösser. Das ist ein wunderschönes Geschenk. Wir helfen uns gegenseitig, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren und Bagatellen bekommen so immer weniger Platz. Das ist doch auch ganz schön :-)?!?




Und übrigens: Ich liebe Schnee! Was für ein super Winterauftakt!!! Hoffentlich lässt der nächste Schneesturm nicht zu lange auf sich warten!

26.10.12

Die erste Woche

Huuuuiiii, die Zeit vergeht wie der (Herbst-)wind! Ich komme fast nicht zum Blog-Schreiben ;-)!
Deshalb werde ich auch erst morgen oder übermorgen eure Kommentare mal endlich beantworten - sorry!

Die erste Woche habe ich gut überstanden! Es fühlt sich immer noch sehr komisch an, wieder am selben Ort zu arbeiten. Ich werde oft auf Julia angesprochen und das braucht enorm viel Energie. Das ganze Dort weiss Bescheid und so kann ich auch nicht "rasch" ein Brötchen kaufen gehen, ohne dass ich immer wieder aufgehalten werde. Die Leute sind zwar sehr lieb und wollen das Beste, aber zeitweise erdrückt es mich fast.

Nun zum wirklich Erfreulichen: Meine Klasse besteht aus "wunder"-baren Kindern. Jedes einzelne Kind hat seine "wunder"-baren Seiten und das schätze ich nun nochmals viel mehr. Die Klasse ist sozial sehr stark und harmoniert super! Wir können viel zusammen lachen. Wer hätte gedacht, dass das schon so schnell wieder möglicht ist :-)? Wenn ich das Ganze von dieser Seite betrachte, bin ich absolut am richtigen Ort!

Heute Nachmittag war ich wieder bei der Eisen-Tankstelle. Es war schon wieder ein bisschen leichter, in die Frauenarzt-Praxis zu gehen! Vom Zimmer nebenan tönte das CTG-Gerät. Ich hörte ein Baby-Herzchen schlagen. Das war hart! Und ich konnte nicht aufstehen, noch weglaufen, noch die Ohren schliessen. Aber auch das ist irgendwie vorbeigegangen!

Nun wünsche ich euch allen schon einmal ein schönes, erholsames Wochenende! Es ist höchste Zeit, in den Winterschlaf zu gehen :-)! Morgen kommt ENDLICH der erste Schnee!!! Wer freut sich mit mir?

18.10.12

Anlauf holen

Diese Woche laufen die Vorbereitungen für das nächste Quartal im Kindergarten auf Hochtouren.
Da es ziemlich viel zu tun gibt, komme ich immer mehr ins Berufsleben zurück. Nur sind noch keine Kinder da. Wenn sie aber draussen spielen und immer wieder durchs Fenster gucken, dann kommt bei mir Freude hoch. Ihre Augen glänzen und ihre Neugierde ist nicht zu übertreffen.

Manchmal wäre es schön, wieder einmal Kind sein zu können. Dann könnte man unbeschwert die bunten Blätter sammeln, in einem Blätterhaufen hüpfen und gespannt durchs Fenster schauen.

Ich hoffe, dass ich diese Unbeschwertheit eines Tages wieder erleben kann. Manchmal kann ich es jetzt schon wieder. Nur diese Woche stehe ich auf HOCHspannung, weil ich HOCH gespannt bin, wie mir der Einstieg in die Arbeitswelt wieder gelingt.

15.10.12

Nelle alleine in...

New York?

Nein, das dann doch nicht. Aber ich bin heute zum ersten Mal alleine in die Praxis meines Frauenarztes gegangen. Mir war ziemlich mulmig zuvor und ich verliess meine vier Wände erst auf den letzten Drücker.

Zum guten Glück ist alles gut gegangen. Ich musste nicht ins Wartezimmer und kam sofort an die Reihe. Nach 45 Minuten an der Eisen-Tankstelle durfte ich dann auch schon wieder gehen.

Ein bisschen stolz bin ich schon, dass ich es geschafft habe ;-)!

Dann wird's wohl nächste Woche auch wieder klappen!

20.9.12

Erst mal aufatmen

Diese Woche war geprägt von vielen ersten Konfrontationen. Gestern war ich im Dorf, wo ich arbeite, zu Besuch. Ich glaube, dass ich nicht viel geschlafen hatte, denn ich war unglaublich nervös. Immer wieder redete ich mir ein, dass ich auch ja keine Tränen vergiessen möchte. Ich hatte Angst, dass es peinlich werden könnte, zumal mir einige Arbeitskolleginnen und -kollegen nicht so nahe stehen. Andere wiederum standen mir nahe und bei denen hätte ich mich wohl auch nicht geschämt.

Zuerst besuchte ich zwei Arbeitskolleginnen im Kindergarten. Dieser Kindergarten liegt ein bisschen abgelegen. Es war schön, wieder dort zu sein. Vor allem wurde ich auch gleich viel ruhiger, weil mir dieser Ort ja sehr vertraut war. Für die Pause ging ich dann ins Lehrerzimmer rüber. Da ich einen Kuchen mitbrachte, war die erste Hürde wie geschafft. Ich stellte ihn hin und alle kamen offen auf mich zu. Vorher hatte ich ja noch Angst, wie sie wohl reagieren würden. Es tat gut zu sehen, dass ich nicht vergessen wurde.

Die Schüler, die draussen in der Pause waren, fragten mich nachher, wie es mir ging und überall hörte ich, wie sie meinen Namen riefen. Ich wusste, dass ich da nun nicht schwach werden wollte. Für die Schüler ging alles normal weiter. Ich war nun zwar eine Weile weg, aber das machte keinen Unterschied für die Schüler. Jetzt war ich ja wieder da und alles würde genauso weitergehen, wie vor dem Tod von Julia. Das mag ich auch an Kindern. Sie kommen so unbefangen auf mich zu, stellen mir Fragen, die sie beschäftigen und kehren dann zu ihrem Spiel zurück.

Nach der Pause besuchte ich zum ersten Mal meine zukünftige Klasse. Ich wurde herzlich empfangen und ich muss sagen, diese Gruppe ist richtig toll. Einen Jungen kannte ich schon, weil seine Schwester in meiner Klasse war. Er rannte raus und rief, dass ich nun endlich da wäre. Dann ging er gleich zum nächsten Thema rüber. "Gell, dis Baby hät giftigs Bluet gha und isch denn gschtorbe..."

Nicht ganz so, aber ja, das hat ja noch ein bisschen Zeit und dann werde ich es ihm dann schon noch erklären. Bei der Verabschiedung sahen mich die ehemaligen Kinder und rannten gleich auf mich zu.

Das Gefühl, wieder gewollt zu sein und diese grosse Wärme taten mir sehr gut. Die Tränen konnte ich zurückhalten, die Kinder zauberten mir ein Lächeln ins Gesicht.

Gestern Abend wurde ich zum Elternabend eingeladen, damit ich die Eltern der Kinder gleich auch kennenlernen konnte. Ich war vorher auch ziemlich aufgeregt, da ja alle um meine Umstände wussten. Eine schwangere Frau, die ich schon vorher kannte, getraute sich fast nicht, mir in die Augen zu schauen. Da wurde mir schon bewusst, dass es wohl nicht nur für mich Hürden gibt, sondern auch für andere Leute.

Insegsamt ging alles sehr gut. Ich bin nun erleichtert, dass diese Konfrontationen vorbei sind. Ich glaube, dass ich nun die schwierigsten Konfrontationen geschafft habe. Es werden wohl immer wieder welche auftauchen, doch nun atme ich erst mal auf!

18.9.12

Ein grosser Tag steht bevor...

Heute werde ich zum ersten Mal an meine Arbeitsstelle zurückkehren und alle Arbeitskolleginnen und -kollegen wieder sehen. Ich gehe mit sehr gemischten Gefühlen. Zum einen freue ich mich, den Schritt nun endlich machen zu können, zum andern finde ich es auch sehr schwer und habe Angst, dass meine Emotionen überborden.

Es gehen mir 1000 Fragen durch den Kopf. Eigentlich bin ich wahrscheinlich einfach froh, wenn es vorbei ist. Es ist eine der sehr schwierigen ersten Konfrontationen. Es hatten sich alle so mit uns auf Julia gefreut. Die Zeit ist nun dort aber weitergelaufen. Deshalb weiss ich auch nicht, wie sie reagieren werden.

Ach, ich wünschte mir, dieser Morgen wäre schon vorbei...

29.8.12

Erste Konfrontationen

Seit dem Tod unserer Julia machen mir besonders die ersten Konfrontationen Mühe. Ich weiss dann nicht, wie ich reagiere und kann meine Emotionen nicht gut kontrollieren. Wenn ich die erste Konfrontation geschafft habe, machen mir weitere Begegnungen eigentlich nichts mehr aus.

Es gibt viele erste Male und manchmal komme ich mir dabei wie ein kleines Kind vor, das alles neu lernen muss:
  • Begegnungen in der Nachbarschaft
  • Einkaufen gehen
  • Telefonate 
  • Spaziergänge
  • Besuch
  • Verwandte wiedersehen
  • In die Apotheke gehen (wo ich damals die Folsäure gekauft hatte)
  • Frauenarztpraxis
  • Kinderzimmer
  • Unbekannten Babys begegnen (ist heute noch schwierig)
  • Bekannten Babys begegnen (fällt mir nicht mehr schwer)
  • Schwangere sehen
  • Familien mit Kinderwagen passieren
  • Arbeitskollegen wiedersehen
  • Familienbüchlein durchlesen
  • Alleine sein
  • Alleine weggehen
  • Mit dem Familienauto wegfahren
  • Auf die Baustelle gehen (wo wir doch so gerne mit Julia gewohnt hätten)
  • Auf den Friedhof gehen
  • An einer Taufe sein
  • Mit dem Präsentservice sprechen (nein, mein Kind lebt nicht...)
  • Mit meinem Chef sprechen
  • etc. etc.
Diese ersten Konfrontationen gibt es fast jeden Tag. Und je länger ich mit der ersten Begegnung warte, desto schwieriger wird es. Auch wenn diese Konfrontationen zuerst unangenehm sind, sie helfen mir zurück ins Leben und bei der Heilung meiner Seele.

Wenn ich eine erste Konfrontation geschafft habe, fühle ich mich meistens ein bisschen erleichtert und manchmal sogar stolz. Wie ein kleines Kind.

Was wäre die Alternative? Konfrontationen auszuweichen? Ich denke, dann muss man sich in den eigenen vier Wänden einschliessen. Diese Konfrontationen warten schonungslos um jede Ecke. Sich zu isolieren bedeutet aber auch, den Kontakt zur Welt zu verlieren. Sicherlich hätte das grosse psychische Folgen. Unsere Psychen werden ohnehin schon auf die Probe gestellt in solchen Situationen, da kämen wir wohl nicht mehr selber raus, würden wir uns isolieren.

Fazit: Auch wenn es immer wieder schmerzt, diese ersten Konfrontationen bringen uns weiter. Sie helfen uns dabei, wieder glücklich zu werden!

Über den eigenen Schatten springen... Juli 2012